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Piercing Geschichte

Piercing Geschichte

Das Piercing ist dazu verpflichtet sich ständig weiterzuentwickeln. Auch wenn in den letzten Jahren viele Piercings heute noch neu erfunden werden (Lippenband-, Industrial- oder Nefertiti-Piercing) und es immer wieder neue Techniken gibt (Microdermals), gibt es ebenso viele Piercings die auf alte Traditionen zurückgreifen (Nostril-Piercing, Labret-Piercing, Apadravya etc.) und im westlichen Kulturkreis erneut entdeckt werden.

Ebenso folgt das Piercing den neusten Moden und Trends. Die in den 1990er Jahren meist populärsten Piercings waren das Augenbrauen-, Zungen- und Bauchnabelpiercing, wobei das Augenbrauen- und Zungenpiercing heute eher nicht mehr so angesagt sind. Das Lippenbandpiercing, das in den 90er Jahren von Steve Haworth erfunden wurde, wird heutzutage auch seltener gestochen. Das Dehnen des Ohrläppchens, das Septumpiercing sowie der Tragus und der seitlich versetzte Labret bekommen eine immer größere Nachfrage. Zur Zeit ist das „Trendpiercing” der Frauenwelt das so genannte Madonna-Piercing, das aus einem Labret hervorgeht. Intimpiercings werden heutzutage immer beliebter, genau wie dasBrustwarzenpiercing das durch Stars bekannt wurde und in den USA zu den populärstenPiercings gehört.

Damit nicht mehr unerfahrene Piercer das Stechen ausführen, wurde im Jahr 1994 die Association of Professional Piercers (APP) gegründet, die den Auftrag hat, Mindeststandards für die Branche festzulegen. 2006 wurde ein weiterer Verband gegründet, die European Assocition for Professional Piercing (EAPP).

Kultur und Geschichte des Piercings
Seit Jahrtausenden werden in vielen Ethnien und Kulturen Körperstellen wie Lippen, Ohren und andere Körperstellen durchstochen und als Körperschmuck angesehen.
In einigen Völkern wird dieses Verfahren nicht nur zum Schmücken des Körpers genutzt, sondern auch als Zeichen spiritueller Rituale, der Reife, symbolische Darstellungen, des gesellschaftlichen Status oder als Zeichen von Abgrenzungen anderer Volksstämme. Das Korsett- und Madison-Piercing stellten in den späten 90er Jahren eine Neuerscheinung dar.

Spirituelle PiercingsSeit 1825 findet das Vegetarian Festival in Phuket, Thailand statt. Im chinesischen Kalender lassen sich in den ersten neun Tagen des neunten Monats viele Menschen bei einer Gottesbeschwörung in einen Trancezustand versetzen. Während dieses Zustands stechen sich diese Leute Eisenstangen, Äste, Alltagsgegenstände oder Schwerter durch Zunge, Wange oder andere Körperstellen. Während dessen werden sie zu Besessenen und mutieren zum Medium der neun Schutzgeister. In Malaysia findet jährlich solch eine ähnliche Veranstaltung statt. Sie findet im Januar und Februar auf dem Thaipusam-Fest statt, wobei sich die Teilnehmenden schon Monate davor durch Hilfe von Lehrern auf das Fest vorbereiten, indem sie sich in einen Trance-Zustand versetzen lassen und sich Spieße oder Haken durch die verschiedensten Körperstellen stechen, wobei selten Blut austritt, da die Wunden zum Teil mit Asche desinfiziert werden. Daraufhin treten sie bunt geschmückt mit Opfergaben in den Tempel des Gottes Subramanium ein um sich von Sünden rein zu waschen und um Glück und Gesundheit zu bitten.

Verschiedene Indianerstämme der amerikanischen Plains und Prärie treten beim Sonnentanz zusammen. Der Tänzer lässt sich am Rücken und an der Brust durchstechen und lässt sich anschließend Holzpflöcke, die an einer Schnur verbunden sind durchführen. Anschließend werden die Schnüre an einem Baum befestigt und die Indianer tanzen vier Tage lang von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, außerdem ohne Wasser, Nahrung und Schatten um den Baum herum. Von der Bewegung der Modern-Primitives wird dieser Brauch als Body-Suspension bezeichnet.

Traditionelle Piercings
Piercings in den Ohrläppchen, Nasenscheidewand, Nasenflügeln, den Genitalien und Lippen werden in Asien, Afrika und Amerika bei den Ureinwohnern überliefert.
Der Schmuck der Ureinwohner wurde aus leichten Metallen, Horn, Ton, Knochen, Holz, Quarz und Perlmutt hergestellt.
Um 1550 v. Chr. wurden in Ägypten die ersten Ohrlöcher festgestellt. Bei der Totenmaske des Tutanchamun und bei Buddha-Statuen sind die Ohrlöcher geweitet.
Im Süden Äthiopiens bei den Mursi sieht man als Schönheitsideal das Durchstechen, Einschneiden und Dehnen von Lippen und Ohrläppchen, den so genannten Tellerlippen, an. Damals wurde der Frau mehr Ansehen geschenkt, wenn der Teller besonders groß war. Als Touristenattraktion wird der Schmuck heut zu Tage verwendet. Entsprechend dem hinduistischen Glauben werden die Kinder im Karnavedha-Ritual die Ohrlöcher gestochen, damit sie nicht krank werden und indische Frauen tragen ganz traditionell in den Ohrläppchen und Nasenflügeln Piercings. Piercings aus der westlichen KulturIn Europa waren schon im frühen Jahrhundert schon einige verschiedene Piercing, wie das Brustwarzenpiercing zu sehen, blieben aber nur in kleinen Kreisen modern und wurden dann auch wieder vergessen.

Eine weite Verbreitung fand das noch immer heutige bestehende Ohrläppchen-Piercing. Anfang der 1970er Jahre wurden Ohrlöcher bei Männern nicht akzeptiert, sondern nur bei den Frauen und der Juwelier hat de Ohrlöcher selber gestochen.
Eine Ausnahme bestand damals bei dem Berufsstand der Zimmerleute, die sich laut der Walz mit einem Zimmermannsnagel ein Ohrloch stechen ließen.
Der Pinoer Fakir Musafar experimentierte in den 50er und 60er Jahren mit den Körpermodifikationen älterer Kulturen, damit er spirituelle Erfahrung sammeln konnte. Im Kreis der Fetisch- und Homosexuellenszene etablierte Doug Mallory das Bodypiercing.

Obwohl es schon 1975 den ersten Piercing-Shop gab, wurde dieser erst 1980 durch die Bewegung der Modern Primitives zu einer Mode. Um den eigenen Körper zu modifizieren wurden aus den Naturvölkern Bräuche aufgenommen, wie Piercings, Tattoos, Brandings und Scarifications (Narbenbildungen). Das im 1977 Jahr gegründete Magazin PFIQ entwickelte sich als Plattform der Szene.

Anfang der 90er gehörte das Piercing noch eher der Punkszene und der BDSM-Szene an. Später breitete sich dieses jedoch aus und fand in der Jugend seinen Trend. Ebenso bei Stars wie Dennis Rodman, Lenny Kravitz und Tommy Lee. Heute gehört das Piercing dem modisch-kulturellen Phänomen an.

Das Stechen

Um eine Infektion zu vermeiden wird die entsprechende zu Piercen gewünschte Körperstelle erst einmal desinfiziert. Der Ein- und Ausgang des Stichkanals wird mit einem Stift markiert und mit einer Zange fixiert, die am Kopf zwei ringförmige Klemmen besitzt.

Durch diese die Piercingnadeln zuerst angesetzt und anschließend durchgeführt. Meistens geschieht dies mit einer Venenverweilkanüle, wobei die Nadel mit einer Teflon oder Plastikschicht überzogen ist und somit auch geschützt ist. Nach dem Stechen wird die Nadel aus der Haut entfernt und der Überzug bleibt im dem Stichkanal, wodurch der Schmuck durch den Stichkanal gezogen werden kann. Bei Juwelieren wird beim Stechen von Ohren- und Nostrilpiercings die Ohrlochpistole benutzt. Jedoch raten seriöse Piercer davon ab, da durch die Ohrlochpistole die Gefahr besteht, dass Gewebe einreißen könnte oder an Knorpelstellen splittert, die Pistole nicht ganz sterilisierbar ist und der verwendete Ohrschmuck für einen Ersteinsatz nicht günstig ist.

Eine weitere Möglichkeit ist der Dermal Punch, wobei Gewebeteile mit Hilfe einer Hohlnadel, die einen Durchmesser von 8mm besitzt, raus gestanzt. Gepunchte Piercings heilen schneller, da das Gewebe komplett entfernt wurde und der Piercingschmuck somit weniger Druck ausüben kann. Gepunched wird vor allem dann, wenn größerer Schmuck eingesetzt werden soll.

Eventuelle Gefahren
Ein Piercing kann zu verschiedenen Komplikationen führen, wenn es zum Beispiel nicht fachgerecht vorgenommen wird. Die Blutgerinnung kann beeinträchtigt werden, wenn der Gestochene unter Einfluss von Alkohol, Koffein oder sonstigen Drogen steht. Darüber hinaus kann außerdem auch der Kreislauf gefährdet werden.
Bei jedem Piercing kann es zu Schwellungen kommen, die jedoch nach einer Weile auch schon wieder abheilen. Am Ohrknorpel gestochene Piercings führen leicht zu Entzündungen und beim Stechen des Nasenflügels und der Augenbraue können eventuelle Ausläufer des Trigeminusnervs getroffen werden. Im Dammbereich gestochene Piercings können durch dauerhaftes Sitzen Entzündungen entstehen, die langfristig sind.
Im Mundbereich entstandene Piercings stellen eine große Gefahr dar, da dadurch die Zähne geschädigt werden können. Das Zahnmark kann absterben, da die Schmuckknöpfe des Zungenpiercings die an der Zunge liegenden Zahnhöcker traumatisieren.

Lippenpiercings besitzen Konterplatten, die durch jede Bewegung gegen das Zahnfleisch und den Alveolarknochen drücken und somit kann es zu einer Zahnlockerung kommen, da Knochen durch Druckbelastung schwinden, was auch beim Lippenbandpiercing passieren kann.

Wenn ein Intimpiercing noch nicht ganz abgeheilt ist, kann es zu sexuellen übertragbaren Krankheiten kommen, wie HIV, Hepatitis B und C. Bei dem Prinz-Albert-Piercing wird durch den Ausgang der Harnröhre bis zur unteren Seite der Eichel ein Ring gezogen. Ist der Ring zu dünn, kann es zum Käseschneidereffekt kommen oder durch zu hohe Belastung besteht die Gefahr, dass das Piercing das Gewebe schneide und somit raus reißt. Ist der Ring zu Eng, kommt es zu Quetschungen. Außerdem kann es bei offen getragenen Piercings dazu führen, dass der Metallschmuck bei unter -10°C gefriert, da Metall sehr kalt wird organische Gewebe Wärmer schlechter ableitet als Metalle.

Materialien und Schmucke
Oft werden verschraubbare Barbells genutzt, da es diese in unterschiedlichen Durchmessern und Materialstärken gibt. Piercings mit einer Drahtstärke von 1,6 Millimetern werden üblicherweise gestochen. Gut geeignet sind Platin, Niob, Titan, PTFE und 750er Gold oder auch medizinischer Edelstahl. 316L-Implantatstahl wird seit nicht all zu langer Zeit ebenfalls wieder verwendet. Ansonsten gibt es noch Schmuck auch Plastik, Glas, Holz und Horn.

Quelle: http://www.tattoonet.de


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